Umstrukturierung von „Demokratie leben!“ – Konsequenzen für TRUST HUB

Aktuell erreichen uns immer wieder Presseanfragen zu den Konsequenzen der Umstrukturierungen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ für unsere pädagogische Arbeit. Die Antworten von Sebastian Jende, Vorstandsvorsitzender von Drudel 11 e.V., auf die Fragen des freien Journalisten Sebastian Haak vom 30.04.2026 geben einen guten Einblick:

Sebastian Haak: Wie bewerten Sie die entsprechenden Umstrukturierungspläne des Bundesfamilienministeriums für dieses Förderprogramm? Was sagen Sie in diesem Zusammenhang zum Vorhalt der Thüringer CDU, über das Bundesprogramm würden inzwischen maßgeblich aktivistische NGOs finanziert, die sich weit von der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Menschen in Thüringen entfernt hätten?

Sebastian Jende (Bild: Drudel 11 e.V.)

Sebastian Jende: Leider sind wir als Trägerverein weder ausreichend über die Umstrukturierungspläne informiert, noch wurden wir bisher in irgendeiner Form an einer Ausgestaltung beteiligt.

Eine Information, die uns mitgeteilt wurde, ist die, dass zukünftig nur noch Träger gefördert werden sollen, die in mindestens vier Bundesländern aktiv sind. Das wäre eine starke Benachteiligung von kleinen regional verankerten Trägervereinen – wie wir es sind. Eine weitere Information war die, dass zukünftig der Innovationsgehalt von Modellprojekten nicht mehr berücksichtigt werden würde. Das würde allerdings bedeuten, dass die Entwicklung von neuen Methoden und Herangehensweisen beispielsweise bei neu entstehenden Problemlagen, gar nicht mehr gefördert werden würde. Das halten wir in einem mehrjährig angelegenen Förderprogramm für einen schweren Fehler.

Drudel 11 ist ein langjähriger und regional verankerter Jugendhilfeträger und keine „aktivistische NGO“. Drudel 11 steht mit seinem Jugendbildungs– und Begegnungszentrum fest im Zentrum der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen. Auch in der Straßensozialarbeit und in der Ausstiegsarbeit sind wir mit faktischen Problemlagen konfrontiert und reagieren pädagogisch auf diese. Unsere langjährigen pädagogischen Erfahrungen speisen wir in die Arbeit unseres Innovationsprojekts TRUST HUB, das in der realen Praxis auf einen sehr großen Bedarf und Nachfrage stößt.

Was bedeutet der Wegfall der Fördermittel für das Projekt Trust Hub? Wird es das dann noch geben?

Wenn es uns nicht gelingt, Fördermittel zu akquirieren, müssen wir die Arbeit von TRUST HUB einstellen und unseren Projektangestellten kündigen. Das Förderprogramm DL! stellt die Finanzierung inmitten einer geplanten vierjährigen Laufzeit zum Jahresende ein. Ein solch kurzfristiger Abbruch hat natürlich katastrophale Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit und das Vertrauen in die Förderpolitik.

Werden Sie sich nach der geplanten Neustrukturierung des Programms erneut um Fördermittel daraus bewerben?

Wir sind als Jugendhilfeträger immer auf Förderung angewiesen – in all unseren Projekten und all unseren Vorhaben. Mit diesen Mitteln leisten wir eine notwendige Arbeit für jungen Menschen und damit auch einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Da wir von unserem Innovationsprojekt TRUST HUB aufgrund der großen Nachfrage und positiven Rückmeldungen überzeugt sind, werden wir uns damit auch wieder neu um Fördermittel bewerben.